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Liliane (Isabelle Huppert) arbeitet in einer Pasteten-Fabrik und führt ein recht eintöniges Leben. Die Zeiten, in denen sie als Chanson-Sängerin „Laura“ große Erfolge feierte, sind längst vergessen und vorbei. Doch als sie Jean (Kévin Azaïs), einen 22-jährigen Boxer, kennenlernt, der in ihr den einstigen Star erkennt, ändert sich alles. Er verliebt sich in Liliane und überzeugt sie, dass es an der Zeit ist, ins Rampenlicht zurückzukehren.

In EIN CHANSON FÜR DICH spielt Isabelle Huppert (ELLE, ALLES WAS KOMMT) eine Frau, die ein Comeback wagt – auf der Bühne wie in der Liebe. Die ergreifend-poetische Romanze von Regisseur Bavo Defurne wird stimmungsvoll untermalt mit der Musik von Pink Martini.

INTERVIEW MIT REGISSEUR BAVO DEFURNE


Wie entstand die Idee zu Ihrem Film?

Ich frage mich schon seit Längerem, was aus den Kandidaten wird, die beim Eurovision Song Contest nicht gewinnen. Was es mit einem macht, wenn man erst im Rampenlicht steht und sich kurz darauf im Schatten wiederfindet. Es gibt einige Beispiele von Menschen, die in Vergessenheit geraten sind. Was wird aus ihnen? In Flandern gab es das Beispiel einer bekannten Sängerin, die später als Verkäuferin gearbeitet hat. Wie geht man damit um, wenn man plötzlich wieder zur anonymen Masse gehört. Alles Fragen, die mich sehr beschäftigten.

Wie gestaltete sich die Auswahl Ihrer Schauspieler?

Ein Drehbuch zu schreiben, heißt, Bilder zu Papier zu bringen. Und die Idee, Isabelle Huppert die Hauptrolle anzubieten, hat sich ziemlich schnell herauskristallisiert. Ich bewundere ihre Arbeit und ihre natürliche Eleganz sehr. Und darüber hinaus natürlich auch, was für ein breites Gefühlsspektrum sie beherrscht. Sie lässt es kinderleicht erscheinen, vom Drama zur Komödie zu wechseln – und dabei immer auch ein wenig provokant zu wirken. EIN CHANSON FÜR DICH steckt voller Glücksmomente, aber er ist stellenweise auch sehr nostalgisch, wie ja schon der Originaltitel „Souvenir“ impliziert. All das mussten wir zeigen können.

Wie kamen Sie auf Kévin Azaïs?

Er entpuppte sich beim Casting als der Beste. Kévin ist ein echter Sonnenschein. Er erinnert mich an die Schauspieler aus den 1940er-Jahren. Er hat etwas sehr Klassisches und ist trotzdem ausgesprochen zeitgemäß; sein unverstellter Charme passt jedenfalls sehr gut zu Isabelle. Kévin ist ein Mensch voller Kontraste. Er ist jung, zärtlich und sehr feinfühlig, besitzt aber auch eine beeindruckende Reife und Männlichkeit. Er wirkt sensibel und ungehobelt zugleich. Er musste in seiner Rolle ja in vielerlei Hinsicht überzeugen: als Boxer, als Manager, als Liebhaber.

Man weiß seit Ihren Anfängen, welche Bedeutung Sie der Ästhetik Ihrer Filme beimessen, dass Sie detailversessen arbeiten. Beschreiben Sie ein wenig den Stil von EIN CHANSON FÜR DICH.

Mir schwebte etwas Magisches vor, ich wollte, dass der Film an einen Traum erinnert. Die soziale Realität der Figuren war mir aber auch wichtig. Für die Studioaufnahmen fanden wir in Luxemburg einen ehemaligen Schlachthof, der es uns erlaubte mit Kontrasten zu spielen. Auf der einen Seite die massive, kalte Atmosphäre der Fabrik; andererseits haben wir dort auch die Wohnung von Liliane gebaut und uns damit sehr viel Mühe gegeben. Damit die kleine Welt, in der sie lebt, glaubwürdig wirkt, brauchte es viele Details – darauf lege ich nicht nur großen Wert, diese Arbeit macht mir auch jede Menge Spaß. Ich mische gern Vintage mit modernen Sachen und Elementen des Jugendstils. Genauso wichtig ist für mich das Licht des Films. Entsprechend intensiv war die Zusammenarbeit mit unserem Chefkameramann Philippe Guilbert und dem Produktionsdesigner André Fonsny. Die Kleider von Isabelle Huppert gaben wir bei Johanne Riss, einer Stylistin aus Brüssel, in Auftrag. Sie sind zauberhaft geworden und veredeln die Figur der Liliane. Kino – das heißt für mich, ein ganzes Universum aus dem Nichts zu erschaffen.

EIN CHANSON FÜR DICH ist der seltene Fall eines flämischen Films, in dem die Figuren Französisch sprechen – fühlen Sie sich irgendeiner cineastischen Strömung angehörig?

Nein, eigentlich nicht. Aber ich kenne meine Klassiker. Von Hitchcock und Fritz Lang habe ich viel gelernt. Ich erkenne mich auch in den Filmen von Douglas Sirk, Fassbinder und Almodóvar wieder, vor allem, was ihren Stil betrifft und die Direktheit der Emotionen. Ja, EIN CHANSON FÜR DICH ist ein flämischer Film, obwohl sich schwer definieren lässt, was ihn dazu macht. Natürlich gibt es diese bildhafte flämische Tradition, die sich heute in der Arbeit vieler Designer niederschlägt. Aber in Flandern – eigentlich in ganz Belgien – mag man „echte“ Figuren, Menschen, die mit beiden Beinen auf der Erde stehen. Und Filme, die die gesellschaftliche Realität widerspiegeln, wie etwa bei den Dardenne-Brüdern. Deshalb finde ich es gut, dass wir für EIN CHANSON FÜR DICH viele belgische Schauspieler engagiert haben, von Jan Hammenecker bis Johan Leysen. Was meine Filme möglicherweise am nachhaltigsten charakterisiert, ist die Bedeutung, die ich den Gefühlen der Figuren beimesse. Um diesen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, stilisiere ich meine Filme sehr, erschaffe eine traumhafte Welt. Aus all diesen Gründen würde ich sagen, dass sich meine Filme nicht unbedingt geografisch verorten lassen. Sie haben eher etwas von Märchen, die universell verständlich sind.






INTERVIEW MIT ISABELLE HUPPERT (LILIANE)


Wie haben Sie Bavo Defurne kennengelernt, und was gefiel ihnen an der Figur der Liliane besonders?

Auf die normalste Art der Welt: Er schickte sein Drehbuch an meinen Agenten, ich las es und mochte es sehr. Das Drehbuch war gut aufgebaut, die Dialoge waren stimmig, das Ganze war nicht alltäglich und stand zu seinen melodramatischen Aspekten. Für mich hat sich das während der Dreharbeiten bestätigt, denn Bavo drehte viele träumerische Einstellungen, die an die Melodramenästhetik eines Douglas Sirk erinnern. Die Geschichte ist unwahrscheinlich und charmant zugleich, und sehr filmisch. Eine Frau, die früher mal Schlagerstar war und inzwischen in einer Pasteten Fabrik arbeitet, lernt einen jungen Nachwuchsboxer kennen, in den sie sich verliebt – das macht einen schon neugierig. Schlager, Wurstpastete, ein junger Mann – all diese unterschiedlichen Elemente, da möchte man schon wissen, wie das zusammenpassen soll. (lacht)

Wir haben uns daran gewöhnt, dass Sie häufig sehr extreme Rollen spielen – würden Sie EIN CHANSON FÜR DICH ebenfalls als extrem bezeichnen? Immerhin erzählt der Film eine Liebesgeschichte, deren Protagonisten sich durch einen großen Altersunterschied auszeichnen…

Damit man den extremen Altersunterschied im Film akzeptiert – oder sagen wir: diese Beziehung glaubwürdig erscheinen lässt –, durfte man ihn vor allem nicht noch betonen. Dieser Film ist wie ein Zug, auf den man in voller Fahrt aufspringt, weshalb der Altersunterschied nie wirklich ein Hindernis darstellt. Okay, vielleicht stören sich die Eltern des jungen Mannes ein wenig daran, aber sie nehmen es eher auf die leichte Schulter. Die wahre Krux liegt für die Heldin darin, wie sie ihr früheres Leben zurückerobern kann und ob es ihr gelingt, ihr Scheitern zu überwinden. Wie stellt man es an, wieder der Schlagerstar von einst zu werden? Die stilisierten Schlager, wie sie choreografiert wurden, die stille Poesie der Kulissen, das Licht von Philippe Guilbert – all das ergab ein Ganzes, das uns Schauspieler sehr inspiriert hat.

Apropos Kleider: In EIN CHANSON FÜR DICH spielt die Garderobe eine wichtige Rolle. Waren Sie in den Entstehungsprozess der Kleider, die Liliane im Film trägt, involviert?

Die Kostümbildner unseres Films hatten die Idee, Johanne Riss – ein Stylistin aus Brüssel – zu bitten, dass sie die beiden Eurovisions-Roben entwirft. Ich finde sie wunderschön. Ihre Entwürfe sind erfindungsreich und absolut glaubwürdig, und obendrein unglaublich schmeichelhaft.

Der Eurovision Song Contest begeistert Millionen, ist ein sehr populäres Thema – hatten Sie Spaß daran, mal etwas ganz anderes zu drehen?

Ach, diese Art von Film ist mir überhaupt nicht fremd. Denken Sie nur an COPACABANA von Marc Fitoussi, ACHT FRAUEN von François Ozon, Anne Fontaines MEIN SCHLIMMSTER ALPTRAUM oder SAC DE NOEUDS von Josiane Balasko. Bei diesem Film war es mir sehr wichtig, dass man an die Figur der Liliane glaubt. Es handelt sich um eine recht einfach gestrickte Person, die im Leben gescheitert ist. Am Anfang nahm ich sie so, wie sie ist – nämlich sehr weit weg von mir. Man kann sich aber noch so oft sagen, dass eine Rolle wenig mit einem selbst zu tun hat, es gibt beim Drehen früher oder später immer diesen einen Moment, wenn sich Rolle und Schauspieler treffen. Das eigene Ich holt einen immer wieder ein. Insofern passt es wunderbar, dass Liliane zum Schluss wieder im Rampenlicht steht wie eine Schauspielerin.

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PINK MARTINI


Das 1994 von Thomas M. Lauderdale in Oregon gegründete „kleine Orchester“ Pink Martini hat seit seinem vielbeachteten Debütalbum „Sympathique“ einen pfiffigen Genre-Mix aus Klassik, Jazz und Oldschool-Pop kreiert. Die Band vereint zwölf Musiker unterschiedlichster Herkunft. Mit ihren mehrsprachigen Songs, die Pink Martini oft zusammen mit Symphonie-Orchestern aufführen, füllen sie Konzertsäle auf der ganzen Welt.

Das aktuelle, neunte Studioalbum von Pink Martini trägt den Titel „Je Dis Oui!“. Der Longplayer enthält die Single „Joli Garcon“, der Soundtrack zu EIN CHANSON FÜR DICH. Im Film wird der Song von Isabelle Huppert gesungen.

INTERVIEW MIT THOMAS M. LAUDERDALE (Pink Martini)


Wann und wo haben Sie Bavo Defurne kennengelernt?

Das war vor zwölf Jahren, als wir unser erstes Konzert in Belgien gaben. Bavo und Yves Verbraeken standen in der ersten Reihe und tanzten. Seitdem ist der Kontakt nie ganz abgebrochen. Bavo schickte mir immer seine Filme, und als sein Regiedebüt NOORDZEE, TEXAS vor fünf Jahren in die Kinos kam, habe ich ihm gesagt, dass ich gern mit ihm arbeiten würde. Als er mir schließlich das Drehbuch zu EIN CHANSON FÜR DICH schickte, war das eine wunderbare Überraschung.

20 Jahre nach Ihrem ersten Hit „Sympathique“ haben Sie zum ersten Mal eine Filmmusik komponiert – eine völlig neue Arbeit für Sie, oder?

Ja, denn Filmmusik ist dazu da, um Dialoge und Bilder zu untermalen und zu optimieren. Welche Art von Musik das ist, wird von der Geschichte vorgegeben. Für diesen Film haben wir uns an zwei Soundtracks orientiert: zum einen an der Musik von Miles Davis für Louis Malles FAHRSTUHL ZUM SCHAFOTT, der 1958 herauskam; Miles spielte die Musik ein, indem er live zu den Bildern des Films mit seinem Orchester improvisierte. Zum anderen an Art Blakeys Musik zu Roger Vadims GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN aus dem Jahr 1960; auch Schlagzeuger Art Blakey und seine Musiker improvisierten zu den Bildern des Films und komponierten so live den Soundtrack. Genauso sind wir mit den Musikern von Pink Martini im Studio in Portland vorgegangen.

Wie sah die Zusammenarbeit mit Isabelle Huppert aus?

Bavo und Yves haben die Texte der drei Chansons geschrieben, die Isabelle singt. Die Musik hatten wir schon vor Drehbeginn komponiert. Isabelle ist eine wunderbare, großzügige Schauspielerin. Wir haben einige Zeit mit ihr in Südfrankreich verbracht – das war eine sehr schöne Begegnung, denn sie ist einfach sagenhaft.

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BESETZUNG

 
Liliane Isabelle Huppert
Jean Kévin Azaïs
Tony Jones Johan Leysen
Eddy Jan Hammenecker
Martine Anne Brione
Kenneth Benjamin Boutboul
Rudi Riva Carlo Ferrante
   

STAB

 
Regie Bavo Defurne
Drehbuch Bavo Defurne,
Yves Verbraeken,
Jacques Boon
Kamera Philippe Guilbert
Schnitt Sophie Vercruysse
Szenenbild André Fonsny
Kostüm Florence Scholtès & Christophe Pidre
Haare Mike Carpino
Make-Up Fredo Roeser
Choreografie Denis Robert
Musik Pink Martini
Produzent Yves Verbraeken
Ko-Produzenten Alexandra Hoesdorff,
Désirée Nosbusch,
Jean-Yves Roubin,
Cassandre Warnauts,
Caroline Bonmarchand
Produktion Souvenir Films,
Frakas Productions,
Deal Productions,
Avenue B Productions